"Rundschau" vom 9. Oktober 2013, SRF

              

    

Anrisstitel zu Beginn der Sendung (und auch auf der Website): „Radikale Islamisten in der Schweiz“.

Auf der Website mit weiterführenden Informationen und einer Kurzzusammenfassung des Beitrags lautet der Titel: „Wolf im Schafspelz? Strenggläubige Muslime in der Schweiz“.

 

Anmoderation Website mit aufbereitetem Content:

Strenggläubige Muslime sind hierzulande eine kleine Minderheit. Doch sorgen sie immer wieder für Aufsehen. Nach dem Burka-Verbot im Tessin fragt sich die Schweiz erneut: Wer sind die strenggläubigen Muslime unter uns? Auf der Suche nach Antworten stand die «Rundschau» oft vor verschlossenen Türen.

  

Anmoderation Onair-Beitrag auf SRF:

Sind wir hier tatsächlich noch in der Schweiz? Das werden sich viele von Ihnen fragen, wenn sie die nächste Reportage sehen. Sie zeigt: Viele der radikalen Islamisten sind unnahbar und schotten sich ab. Das schürt Aengste in der Bevölkerung. Das Burkaverbot im Tessin zeugt davon. Zwar sind nur wenige Muslime den radikalen Islamisten zuzuordnen. Exakte Zahlen gibt es keine. Aus Sicht der Behörden sind Islamisten dennoch eine Bedrohung. Thomas Vogel und Lucia Tschirky versuchten sich der Welt der radikalen Gläubigen anzunähern. Sie stiessen auf Misstrauen und auf verschlossene Türen.

 

Beitrag (Off-Kommentar kursiv-fett):

Bild: Haus, dann Schwenk auf Eingang.

Off: Ein unscheinbares Hotel in Winterthur. Islamisten sammeln hier Gelder für Syrien. Eingeladen hat ein Prediger aus Deutschland per Videobotschaft.

Auf Video der Prediger, der sagt: Die genaue Adresse werden wir, in-Shallah, einen Tag davor veröffentlichen.

Kamera auf Eingang, an dem ein Mann „Eingang für Frauen“ anheftet.

Off: Als das Rundschau-Team eintrifft, markieren die Veranstalter zwei separate Eingänge. Für Frauen und für Männer.

Bild: Frauen gehen in die Moschee.

Off: Kantonspolizisten sitzen bereits im Saal.

Bild: Eingang für Männer.

Off: Sie werden notieren, was die Redner von sich geben. Journalisten wird der Zutritt verwehrt.

Bild: Kamerateam und ein Mann, der sie wegweist.

Bild: Anderer Mann sagt: Also die Medien verdrehen vieles. Und wir Muslime sind keine dummen Menschen, nur, dass Ihr das wisst, oder.

Rundschau-Journalist: Aber Sie haben Angst vor der Oeffentlichkeit!

Mann: Nein, wir haben nicht Angst vor der Oeffentlichkeit. Wenn wir Angst hätten vor der Oeffentlichkeit, dann wären wir nicht in Europa. Dann leben wir nicht in Europa. Dann gehen wir irgendwohin auf den Berg, um dort zu leben.

Journalist: Aber Sie haben Gäste eingeladen, die vom Verfassungsschutz kontrolliert werden.

Mann: Wer?

Journalist: Abu Nadsch.

Bild: Mann geht in Moschee.

Off: Abu Nadsch ist ein radikaler Moslem, der Koranbücher verteilen lässt.

Bild: Man sieht den Mann einen Koran küssen. Dann Schnitt auf ein Video und seine Stimme:

Islam ist die einzige Wahrheit. Islam ist die Rettung vor der ewigen Bestrafung in der Hölle. Und ich schwöre bei Allah: Wer den Islam nicht annimmt und ohne Islam stirbt, geht er für alle Ewigkeit in die Hölle.

Off: Die Schweizer Behörden lassen den Hassprediger nicht einreisen. Weitere Gäste treffen in Winterthur ein. Die Stimmung ist gereizt.

Bild: Ein junger Mann kommt mit seiner vollverschleierten Frau.

Off: Wir werden am Filmen gehindert.

Junger Mann: Dörfed Sie das? Dörfed Sie filme?

Journalist aus dem Off: Ja, mir sind uf öffentlichem Grund.

Mann: Filmed Sie mini Frau?

Bild: Musik mit Bild von Minarettspitze und Schnitt auf ein anderes Gebäude.

Off: Am Tag darauf in Zürich. Die nächste Benefizveranstaltung für Syrien. Dieses Mal lässt uns der Veranstalter rein. Der sogenannte Islamische Zentralrat hat Abdul Adhim aus Deutschland eingeladen.

Bild: Stände mit Infomaterial und Logo: „Im Dienste der Muslime“ mit Webadresse IZR.

Off: Der Berliner Verfassungsschutz bezeichnet ihn als Leitfigur der ultrakonservativen salafistischen Szene.

Bild: Der Prediger.

Off: Die Staatsanwaltschaft ermittelte wegen Volksverhetzung. Allerdings erfolglos.

Bild. Der Prediger. Sagt: Wer jemandem seine Schwierigkeit erleichtert in dieser Welt. Allah erleichtert ihm die Schwierigkeiten am Tag der Auferstehung. Und wer jemandem dabei hilft, einen Ausweg aus seinem Problem zu haben – Allah wird ihm Ausweg am Tag des Endgerichtes geben.

Off: Der 35-jährige Prediger gilt als Star unter den jungen, radikalen Moslems.

Bild: Totale auf Leute im Saal von hinten.

Off: Unter seinesgleichen spricht er Klartext. Gegenüber Journalisten weniger.

Journalist fragt: Sind Sie für Steinigung?

Prediger (frontal): Was heisst …Diese Fragen haben.. werden in Deutschland beziehungsweise in der Schweiz keinen Ort. Das ist eine Frage, die ins Leere geht. Und dann bleibt es in der Leere.

Off: Die Muslime im Saal zeigen sich solidarisch.

Bild: Zwei Veranstalter zählen die Spenden auf: Tuusig fünfhundert. Tuusigfüfhundert

Off: 36‘000 Franken kommen an Spenden zusammen.

Bild: Mann, der Gebetsgesang anstimmt.

Bild: Leute, die beten.

Off: Die Veranstaltung wird unterbrochen für das Fünf-Uhr-Gebet. Rund 400‘000 Moslems leben in der Schweiz. Jeder siebte praktiziert seine Religion und betet regelmässig.

Bild: Männer beim Gebet von hinten.

Off: Alles unproblematisch, so der Tenor des Bundesrates zu Muslimen in der Schweiz. Wäre da nicht eine lautstarke Minderheit von radikalen Moslems wie der Islamische Zentralrat unter Nicola Blanchot.

Bild: Blanchot auf der Bühne.

Off: Blanchot ruft zum Dschihad auf.

Blanchot: Bedeutet der Dschihad : einfach nur die Waffe zücken? Und damit hat sich’s? Oder bedeutet al-Dschihad noch viel mehr…?

Bild: kleines Mädchen mit Kopftuch.

Off: …Selbstmordattentate und Terroranschläge. Der Dschihad steht auch für den unerbittlichen Kampf gegen das westliche System.

Journalist im Saal befragt Blanchot: Sie händ e Red ghalte, wo sie vom Dschihad, vom heilige Chrieg gsproche händ. Isch das heilige Chrieg, wo jetzt stattfindet in Syrie?

Blanchot: Sie müend zerscht emol gar nöd sottige Frage stelle, wenn Sie ned sälber wüssed, was Dschihad bedüttet. Ich habe ganz klar und düttlich definiert, was Dschihad isch: Das ist die Abmühung eines jeden Muslimen auf dem Weg Allahs, und das het verschiedenschte Forme – das het humanitäri Forme, das het soziali Hilf, das heisst ebe au, derzue Understützig gäh, das heisst, Lüt, wo kei Eltere mehr hän, also Waisekinder Unterstützig bichömed.

Off und Schwenk auf den Saal: Blanchot zeigt sich fürsorglich. Doch im Saal müssen Familien getrennt sitzen. Das Publikum ist getrennt in Männer und Frauen.

Bild: Musik mit Bild von Minarettspitze. Schnitt und Bild von einem Gebäudeeingang.

Off: Dietikon, in der Nähe von Zürich. Hier sind die Frauen ganz unter sich.

Bild: Laufsteg mit Musliminnen.

Off: Bei der ersten Schweizer Modeschau für gläubige Musliminnen. Mode für die selbstbewusste, religiöse Muslimin. Vorgeschrieben ist ein Kopftuch. Haare gelten als Symbol für Sinnlichkeit. Mit Extremisten wollen die Teilnehmerinnen nichts zu tun haben.

Farbige Frau (Somalierin?) im Interview: Ich ha mit 15 agfange, es Kopftuech az’legge. Und es isch öppis, wo zu mir ghört – mini Identität. Und es isch e Teil vo mir sälber.

Schnitt auf andere Frau, die lächelt und der Journalistin zuhört.

Journalistin fragt: Sie bedecked Ihres Haar, sie bedecket eigentlig fascht Ihre ganze Körper, Ihri Händ und Ihres Gsicht – worum mached Sie das? (Schwenk auf unteren Teil des Körper)

Frau: Will ich glaube dra, also so, wie ichs verstoh, isch das , was im Koran stoht und was Allah au vo üs möchte.

Andere Frau: Ich glaube daran, dass Allah uns Regeln gegeben hat, die wir befolgen, und es ist besser für uns, wenn wir die befolgen.

Schwenk auf Frau auf Podium, die singt.

Off: Die Modeschau wird mehrmals unterbrochen, um den Islam zu preisen. Die meisten im Saal sind gemässigt. Doch es gibt einzelne Radikale.

Bild. Schwarz gekleidetes Model mit vom Fernsehen abgedecktem Gesicht, die über den Laufsteg läuft.

Off: Unter den Models befindet sich eine Somalierin, aufgewachsen in der Schweiz. Ihr Facebook-Profil zeigt eine bewaffnete Dschihad-Kämpferin. Bild der Facebook-Seite.

Off: Im Internet berichten radikale Prediger, was mit Frauen passiert, die kein Kopftuch tragen wollen.

Bild: Logo des As-Sunna-Verlags im Internet.

Prediger Ahmad Armih, auf Internet-Video: Sie werden das Paradies niemals betreten. Und sie werden dessen Geruch niemals riechen. Was für ein Verlust! Liebe Schwester, damit Augen Dich beglotzen, bist Du bereit, in das Höllenfeuer herein zu gehen?

Off: Dies die Worte eines populären Internetpredigers.

Bild: Minarettspitze, Musik. Schnitt auf eine auf die Kamera zugehende verschleierte Frau auf einer Strasse neben Riegelhaus.

Off: Falls der Prediger Recht hat, wird sie ins Paradies kommen. Petra Rachima, aus Elsau.Die Schweizerin ist mit 25 Jahren zum Islam übergetreten. Heute geht sie verschleiert durchs Dorf. Sie hält an ihrem Gewand und dem Schleier fest. Trotz der Anfeindungen, die sie ertragen muss.

Bild. Sie geht in einen Supermarkt.

Petra Rachima antwortet aus dem Off: Es het aber au Situatione gäh, wo ni im Bus total blöd agmacht worde bi. Alli Moslem ghöred i de Knast, Kopftuechschlampe – alli Kopftuechschlampe stinked. Und so witer.

Off: Nur selten geht Petra Rachima aus dem Haus. Wenn, dann gerade mal zum Einkaufen.

Bild: Rachima an der Kasse.

Off: In dem Dorf fällt die jedem auf.

Statement von Mann auf der Strasse: Me isch eifach verunsicheret. Ich weiss ned: Wer isch dött drunder? Me het Angscht. Es git eim eifach e Unsicherheit öb das au bi Eus gföhrlich cha si. Es isch eifach Angst vor dene Lüt, wo sich wie verstecket dört drunder, obwohl s’ja nöd eso isch.

Off: Petra Rachima ist gelernte Kellnerin (Bild: sie geht ins Wohnhaus). Doch als verschleierte Frau findet sie keine Anstellung mehr.

Bild: In ihrem Wohnzimmer.

Off: Sie ist gesellschaftlich isoliert und verbringt die meiste Zeit zu Hause. Unablässig schreibt sie Kommentare in Online-Foren. (Bild: sie holt ihren Computer hervor). Immer Allah ergeben. Immer kämpferisch. Ihr Glaube ist ihr das Wichtigste auf der Welt.

Petra Rachida. Wemme üs bekämpft, denn simmer uf em richtige Wäg. Vo däm här…jo…(lacht) bin i lieber e strengi Muslima als…jo…irgendwie…Moderns versueche und im Endeffekt..naja…s’Falsche gmacht z’ha.

Bild: Minarettspitze, Musik, Schnitt auf ein Haus.

Off: Dieses Haus in Zürich ist zu einer Moschee umgebaut worden. Zum Freitagsgebet kommen rund 500 Moslems hierher. Vor allem aus Arabien und aus Afrika. Rituelle Waschung vor dem Gebet ist fest in den Köpfen verankert.

Bild: Muslime, die ihre Füsse waschen.

Off: Wie die Männer politisch denken, ist schwer auszumachen. Diese Moschee gilt als gemässigt, doch einige stehen unter Beobachtung des Nachrichtendienstes. Extreme Islamisten stellten eine anhaltende Bedrohung für die Schweiz dar, heisst es.

Lahoussine Kharbouch von der Islamischen Gemeinschaft Zürich sagt dazu und lächelt: Ich kenne diese Extremisten nicht. Und der Geheimdienst wahrscheinlich hat ja andere Informationen, die ich als einfacher Mensch nicht habe. Darum kann ich nicht so etwas beantworten, aber in unserer Moschee, wo die Muslime verkehren, also eigentlich es gibt keine gefährliche Muslime.

Journalist aus dem Off: Würden Sie es merken, wenn solche bei Ihnen wären?

Kharbouch: Ah jaja.Es gibt Meinungen, aber Meinung bleibt nur ein Meinung.

Bild. Treppenhaus. Dann: ein Mann, der die Leute dirigiert.

Off: Die Moschee ist die älteste der Stadt. Heute platzt sie aus allen Nähten. Wortlos weist ein Odner den Gläubigen die freien Plätze zu. Arabisch verstehen hier längst nicht alle. Ein Dolmetscher übersetzt die Predigt des Imam auf Deutsch.

Bild: Prediger – Uebersetzer übersetzt: Oh Ihr Gläubigen, fürchtet Allah. Und sorgt dafür, dass Ihr nicht sterbt, ohne Muslim zu sein.

Off: Viele Moslems, die sich hier zum Gebet zusammenfinden, stören sich daran, dass sie in Verbindung mit islamistischen Kämpfern gebracht werden. (Bild: betende Männerhintern von hinten). Mit denen haben sie nichts zu tun, sagen sie. Im Gegenteil, sie fühlen sich in der Schweiz zu Hause und akzeptieren das politische System, in dem sie leben. – In der Moschee, dürfen wir keine Fragen stellen. (Bild: Die Gläubigen am Beten). Interviews sind erst draussen vor der Tür gestattet.

Bild: Moschee von aussen.

Off: Wir treffen zwei Frauen, die aus einem Seitenausgang die Moschee verlassen.

Die beiden Frauen lächeln in die Kamera.

Journalist aus dem Off: Sie haben in einem speziellen Raum gesessen…getrennt von den Männern.

Frau 1, die andere lächelt und sagt nichts: Ja, ja. Wir waren jetzt alleine Frauen.

Journalist aus Off: Wieso sind Sie separat?

Frau 1: Das ist immer – wir Männer und Frauen separat. Das ist gut, oder?

Mann kommt auf Frauen zu.

Off: Ein Mann aus derMoschee tritt hinzu, schiebt das Mikrofon weg und weist die Frauen zurecht.

Mann: Weisst Du, das sind Analbhabeten, ich kenne die SRF..

Journalist: Schweizer Fernsehen

Mann: Jawohl. Ihr seid Analphabeten für uns Muslime. Weil Ihr widerholt immer die gleichen Fragen. Versucht ihr immer…

Journalist: Das sind die Fragen, die uns interessieren.

Mann: Gehen Sie mal in die Schule. Gehen Sie mal lernen. Gehen Sie mal sich ausbilden über Islam – oder über Katholizismus oder Buddhismus. Sie suchen irgendeinen Quatsch, immer.

Journalist: Aber wieso beleidigen Sie uns jetzt?

Mann: Ich beleidige Sie nicht. Sie beleidigen uns, sie belästigen uns immer mit den gleichen ..

Journalist: Ich stelle nur Fragen.

Frau 1: Slow, Off übersetzt:Antworten Sie anständig auf die Fragen des Mannes.

Mann zur Frau1: Be quiet. Off übersetzt: Seien Sie ruhig. Jetzt rede ich mit dem Mann.

Mann zum Journalisten: Islam ist Frieden, Islam ist nicht Terror. Islam ist nicht Gewalt. Islam ist nicht, Frauen zu erniedrigen oder andere Menschen. Islam ist total was anderes.

Bild: Schnitt auf männliche Gläubige, die sich auf den Boden werfen zum Gebet, dazu Musik.

Off: Die grosse Mehrheit der Moslems ist friedfertig. Daran besteht kein Zweifel. Dennoch: kritische Fragen (Bild: Prediger, der rumfuchtelt) zu radikalen Strömungen innerhalb  ihrer Gemeinden müssen sich die Moslems in der Schweiz gefallen lassen. Genervt zu reagieren oder die Oeffentlichkeit auszuschliessen ist der falsche Weg.

Musik wird eingeblendet, der Mann von vorhin wird eingeblendet.

  


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