Scheich Ibrahim

  

Scheich Ibrahim – ein Basler! Geboren 1784 in Lausanne, war er ein Orientreisender. Er verkörperte das Entdeckungsfieber, das im 18./19. Jahrhundert die gebildeten Kreise Europas erfasst hatte. So wie er sich für die "African Society" aufmachte, die Stadt Petra neu zu entdecken, so habe ich in Kairo vor einiger Zeit für ein Basler Museum Scheich Ibrahims Grab aufgestöbert.

 

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Jean Louis Burckhardt
Gemälde von Sebastian Gutzwiller, 1930

Jean Louis Burckhardt war ein Basler Orientreisender. Je nach Umgebung und Zeit nannte er sich auch Johann Ludwig Burckhardt oder John Lewis Burckhardt, im Orient hiess er schliesslich Scheich Ibrahim Ibn Abdallah. Vor einigen Jahren machte ich mich in Kairo auf die Suche nach seinem Grab, da in Basel eine Ausstellung zur Nabatäerstadt Petra in Vorbereitung war und die Ausstellungsmacher/innen glaubten, das Grab sei verschollen. Bekannt war ihnen ein Gemälde von Rudolf Durheim von 1855, welches mutmasslich das Grab des Forschers darstellt, ein einfacher Sarkophag mit Grabplatte und zwei Grabsteinen. Das Grab solle, so hatte ich gehört, in einem der grossen Grabfelder im Norden Kairos liegen. So begann ich mich durchzufragen bei Bekannten und in Cafés. Mein kleiner Nachmittagstrip erschien dann als Artikel mit Fotostrecke in der Basler "TagesWoche" und als Nebeninformation bei den Museumsführungen.

    

Burckhardt entstammte einem alten Basler Patriziergeschlecht, das sich noch heute als "Burket Zeckadete" (BurCKharDT) von den "einfachen" Burkhard absetzt. Jean Louis studierte in Leipzig und Göttingen Naturwissenschaften, Sprachen, Geschichte und Geographie und kehrte 1805 zurück nach Basel. Mit seiner kritischen Haltung zu Frankreich (Napoleon war gerade Kaiser geworden) hatte er allerdings in Basel schlechte Karten, deshalb reiste er nach London weiter. Im Auftrag der African Association durfte er eine Forschungsreise in den Orient durchführen, worauf er sich mit Arabischlernen, Sport und naturwissenschaftlichen Studien vorbereitete, bevor er 1809 in See stach.

 

In Aleppo (Syrien) blieb er einige Jahre, um den Islam zu studieren und seine Arabischkenntnisse zu verfeinern. Auf der weiteren Reise gab er sich muslimischer Kaufmann "Scheich Ibrahim" aus. Seine Aussprache erklärte er mit seinem vorgeblichen Herkunftsland Indien. Nach eigenen Aussagen nahm er den islamischen Glauben an. In den folgenden Jahren erkundete Scheich Ibrahim Palmyra, Damaskus, den Libanon und Saudi-Arabien. 1812 kam er nach Kairo. Wie nach ihm Fürst Pückler (s. Blog "Fürst Pückler in Ägypten") folgte er , mit einem Schutzbrief des ägyptischen Vizekönigs Muhammad Ali Pascha versehen, dem Nil aufwärts. Zurück in Jordanien, fand er 1812 die Stadt Petra, deren Lage in Europa nicht mehr bekannt war.

  

Im Frühjahr 1816 gelangte er nach langen Reisen und gesundheitlich angeschlagen wieder nach Ägypten. Dort verschlimmerte sich sein Zustand, und er starb 1817 an der Ruhr. Er soll sich gewünscht haben, unter seinem arabischen Namen auf einem islamischen Friedhof begraben zu werden. Lange galt sein Grab als verschollen, irgendwann ist es dann zu einem eigentlichen Grabhaus geworden, angeschrieben auf Arabisch und Englisch.

 

Die Suche nach dem Grab

p-1 Die Suche beginnt im Gabalia-Quartier im alten Kairo. Von dort stammt der grosse Schriftsteller Naguib Mahfouz, und dort spielen auch etliche seiner Romane.
o-1 Das Gabalia-Quartier ist stark durchmischt, die arme Bevölkerung dominiert. Der Junge auf dem Bild hat wahrscheinlich keine Playstation, da dreht er halt mit dem Rad seine Runden.
c-1 Ein wenig rumfragen unterwegs und in Cafés. Die Rückfrage: "Scheech Ibrahim - miin?" - "Scheich Ibrahim - wer ist das?"
h-1 Schliesslich weiss der Buchhalter eines Sozialwerks im Quartier weiter. Er hat sogar einen Plan des grossen Gräberfelds nördlich vom "Bab el-Nasr" ("Siegestor"). Er nimmt sich Zeit, uns dorthin zu begleiten. 
b-1 Es dauert nicht lange, bis die Verantwortliche des Gräberfelds daherkommt. Sie weiss etwas von einem europäischen Gelehrten, der hier begraben ist.
n-1 Vermutlich sah das Grab von Jean Louis Burckhardt anfangs aus wie diese einfachen Sarkophage mit den zwei Grabsteinen.
m-1 Irgendwann ist dann ein Grabhaus daraus entstanden. Wir stehen vor Scheich Ibrahims Grab.
l-1 Neben der Türe die Inschrift in zwei Sprachen.
k-1 Die Grabhüterin hat einen riesigen Schlüsselbund mitgebracht.
j-1 Scheich Ibrahims Grab ist im Innern typisch osmanisch ausgestattet.
e-1 Andenken aus verschiedenen Zeiten.
f-1 Am Schluss tragen wir uns in das Gästebuch ein und verabschieden uns mit einem Trinkgeld von der Grabhüterin.

 

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