Die Migrantigen

 

Vor 300 Jahren hat der französische Schriftsteller Marivaux das Theaterpublikum mit seinen Verwechslungskomödien verzaubert. Seither blüht das Genre, und auch im Film hat es Einzug genommen. So zum Beispiel in der Filmklamotte "Die Migrantigen", in der ein ägyptischstämmiger Schauspieler eine Hauptrolle spielt.

 

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"Die Migrantigen" ist eine österreichische Multikulti-Komödie von Arman T. Riahi, 2017 in die Kinosäle gekommen und kürzlich im Schweizer Fernsehen ausgestrahlt. Der iranischstämmige Regisseur hat darin einem ägyptischstämmigen Schauspieler eine Hauptrolle gegeben. 

 

Der arbeitslose österreichische Schauspieler Benny (Faris Endris Rahoma) vermasselt sich auch die letzte Jobchance, indem er sich weigert, einen arabischen Taxichauffeur zu spielen, er sei ja schliesslich Österreicher. Zufällig gerät er an die ehrgeizige Filmregisseurin Weizenhuber (Doris Schretzmayer), die eine Serie über ein Wiener Problemviertel drehen will, wie es "wirklich" ist: voll von ausländischen Ganoven, Dealern und Sozialschmarotzern. Benny erkennt die Chance und gibt sich flugs als der ägyptischstämmige Kleinkriminelle Omar aus. Da sowohl er wie sein "Jugo"-Freund Marko alias Tito eigentlich gut integrierte Bürger sind, müssen sie schnell und diskret lernen, wie sich ein Ganove kleidet und bewegt, und sie müssen einige Freunde dazu bringen, mit zusätzlichen Ganovenrollen ein richtiges "Milieu" zu mimen. Die Clichés werden lustvoll auf die Spitze getrieben, wenn zum Beispiel einer der vermeintlichen Ganoven vor einem türkischen Gemüseladen steht, vor dem reges Treiben herrscht, und der faszinierten Filmregisseurin erklärt: "Hier arbeitet niemand wirklich!" Die Pointe: der österreichische Hauptdarsteller lügt nur im Film, er habe ägyptische Wurzeln. Im wirklichen Leben ist er Sohn eines Ägypters und einer Österreicherin. So geht die Geschichte in atemlosem Tempo weiter, ein Cliché nach dem anderen wird aufgebaut und wieder lustvoll zertrümmert. Bis bis die ganze Maskerade auffliegt.

 

"Die Migrantigen" ist aber auch als verrücktes Verwechslungsspiel eine Wohlfühlkomödie mit überraschend unüberraschendem Happy End. Alle Protagonisten scheinen im Grunde ihrer Herzen gute Menschen zu sein, auch wenn sie das nicht wissen. Der Film beginnt mit einem überschwänglichen Loblied von Anwohnern/innen auf ihr Viertel. Dieses Bild wird durch die sensationsgierige Filmregisseurin gründlich durcheinandergebracht. Und am Schluss herrscht im Viertel wieder eitel Sonnenschein: keine Ganoven, keine Dealer, keine Sozialschmarotzer. Mindestens dieses Clicheé wird nicht demontiert. Oder ist das Ganze ironisch gemeint?

 

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Der Trailer 

 

95 Minuten Vergnügen - garantiert!

 

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